
Als mein Sohn heute vor 16 Jahren auf die Welt kam, war ich voller Liebe – und nach wenigen Wochen völlig am Ende. Er hatte ständig Bauchschmerzen, juckende Haut, schrie ununterbrochen und erbrach sich oft. Kein Arzt, keine Tropfen, keine Cremes halfen. Die Diagnose: Neurodermitis. Ich habe Cortison geschmiert, gehofft, gebetet – und war trotzdem verzweifelt. Sechs Wochen nach der Geburt stand ich schon wieder voll in meiner Apotheke. Erschöpft, überfordert, kurz davor, zusammenzuklappen. Und trotzdem suchte ich weiter nach Antworten.
Eines Tages wurde ich selbst krank – Durchfall, Fieber, zwei Tage nichts gegessen. Ich stillte weiter, trank nur Tee und Wasser. Und plötzlich war mein Kind ruhig. Kein Weinen, kein Krampfen, kein Ausschlag.
Da war dieser Moment der Stille – und mir wurde klar: Das kann kein Zufall sein. Ich sprach mit meiner Hebamme, las Studien, suchte nach Erklärungen. Und stieß auf das Naheliegende:
Milcheiweiß und Ei gehören zu den häufigsten Allergenen im Säuglingsalter.
Ich ließ Milch weg. Keine Milch im Kaffee, kein Joghurt, kein Käse, keine Backwaren mit Spuren davon. Es war mühsam. Aber nach ein paar Tagen veränderte sich alles. Mein Sohn wurde ruhig. Die Haut heilte, der Bauch entspannte sich, das Weinen hörte auf.
Da wusste ich: Essen wirkt.
Ein paar Wochen später habe ich es mir selbst bewiesen. Ein Tropfen Milch auf seiner Haut – Minuten später rote, geschwollene Flecken. Der Arzt bestätigte, was ich längst wusste: Milcheiweißallergie. Milcheiweissallergie ist keine Laktoseintoleranz, sondern eine echte Immunreaktion. Der Körper erkennt bestimmte Eiweiße in der Milch – vor allem Casein oder Molkenproteine – als Feind und reagiert mit Entzündung.
Ich wollte verstehen, warum.
Ich las alles, was ich finden konnte, und lernte:
Casein ist hitzestabil – es bleibt allergen, egal ob gekocht, gebacken oder fermentiert.
Molkenproteine sind empfindlicher, sie verlieren bei starkem Erhitzen etwas an Wirkung.
Und: Casein klebt – im wahrsten Sinne – und kann selbst in kleinsten Mengen Reaktionen auslösen.
Das war bei uns der Fall. Ich lernte, wo überall Milch steckt, warum Butter oft toleriert wird und warum fermentierte Produkte manchmal besser funktionieren. Später kamen noch Allergien gegen Soja, Ei und Rapsöl dazu – jedes Mal eine neue Herausforderung. Wenn ich einen Fehler machte, hat mein Sohn bezahlt.
Diese Erfahrung war mein Einstieg in das, was ich heute tue. Ich habe gesehen:
Essen ist kein neutraler Akt – es kann krank machen oder heilen.
Unsere Nahrung beeinflusst Hormone, Entzündungsprozesse, Darmflora, Haut, Stimmung. Wenn das Gleichgewicht kippt, entsteht Krankheit. Wenn man versteht, was den Körper stresst – und was ihn beruhigt – entsteht Gesundheit. Ich habe beobachtet, dokumentiert, ausprobiert. Und irgendwann war klar: Essen ist nicht das Problem. Es ist die Lösung. Viele denken, Ernährung sei kompliziert. Dabei ist sie das ehrlichste Feedbacksystem, das wir haben. Der Körper spricht – wir müssen nur wieder lernen, zuzuhören.
Später hat mich besonders fasziniert, dass selbst die Zusammensetzung der Milch davon abhängt, was die Kuh frisst. Grasgefütterte Kühe produzieren eine völlig andere Milch als solche, die mit Mais oder Soja gefüttert werden. Das verändert Fettsäuren, Vitamine, sogar die Mikroflora. Einmal durfte mein Sohn frische Rohmilch direkt vom Schweizer Bergbauernhof trinken – noch warm.
Nichts passierte. Keine Reaktion.
Heute vermute ich: Es war A2-Milch– ihr Casein ist anders aufgebaut und oft besser verträglich. Seitdem sehe ich Ernährung mit neuen Augen. Es geht nicht um Verbote oder Diäten, sondern um Verstehen.
Ich erinnere mich noch gut an die Hilflosigkeit damals – ein schreiendes Baby, Ärzte, die sagten „Das ist Neurodermitis“, und das Gefühl, dass niemand wirklich zuhört. Und dann diese einfache Erkenntnis:
Wenn ich etwas ändere, ändert sich etwas.
Das war mein Wendepunkt – als Mutter und als Apothekerin. Wissenschaft passiert nicht nur im Labor. Sie passiert in der Küche, im Alltag, in dem, was wir essen, trinken, vermeiden, ausprobieren.
Heute, sechzehn Jahre später, weiß ich: Genau da beginnt Gesundheit – im Verstehen.
Ich treffe immer wieder Menschen, die sagen: „Ich hab schon alles probiert.“ Und dann merken wir gemeinsam: Sie haben nie wirklich verstanden, wie Essen wirkt. Wenn man einmal erkennt, wie stark Ernährung den Körper beeinflusst – immunologisch, hormonell, stoffwechselphysiologisch – dann ist das kein Zwang, sondern Freiheit.
Ich sage nicht, dass Essen alles heilt.
Aber: Ohne das richtige Essen heilt nichts.
Mein Sohn ist heute 16. Gesund, stark, lebensfroh. Und jedes Jahr an seinem Geburtstag erinnere ich mich daran, wie alles angefangen hat – mit Bauchweh, Hautausschlag und einer Mutter, die nicht mehr weiter wusste.
Gut, dass ich damals hingeschaut habe. Nicht locker gelassen habe. Ausprobiert. Verändert.
Wenn du jetzt denkst: Vielleicht spielt Ernährung bei mir oder meinem Kind auch eine Rolle…
Dann lass uns reden.
In meiner 1:1-Ernährungsberatung schauen wir genau hin, was dein Körper dir sagen will – wissenschaftlich fundiert, praktisch umsetzbar und alltagstauglich.
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Was ist das?
Bei einer Milcheiweißallergie reagiert das Immunsystem auf Eiweiße in der Kuhmilch (Casein, β-Lactoglobulin, α-Lactalbumin). Der Körper bildet IgE-Antikörper, was Entzündungen auslöst – sichtbar an Haut, Darm oder Atemwegen.
Casein oder Molke – der Unterschied:
Casein = ca. 80 % der Milchproteine, hitzestabil, bleibt allergen.
Molkenproteine = hitzelabiler, verlieren durch starkes Erhitzen teilweise Wirkung.
Pasteurisierung reicht nicht aus, um sie unschädlich zu machen.
Typische Symptome:
Hautausschläge, Ekzeme, Blähungen, Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, Unruhe.
Schon in der Stillzeit kann die Ernährung der Mutter Reaktionen auslösen.
Therapie:
Konsequentes Meiden von Milch und Molke
Ernährung der Mutter anpassen (bei Stillkindern)
Spezialnahrung unter ärztlicher Aufsicht
Calcium, Vitamin D, B-Vitamine ergänzen
Die gute Nachricht:
Etwa zwei Drittel der Kinder verlieren die Allergie bis zum Schulalter.
