
Moment mal. Gicht ist doch die klassische WohlstandsKrankheit: zu viel Fleisch. Zu viel Alkohol. Zu viel Bier. Zu viel Fruchtzucker, so viel Süßes zu wenig Flüssigkeit……Kann Sauerkirschsaft da helfen?
Die kurze Antwort lautet: ein bisschen.
Gicht tut zwar im Gelenk weh, entsteht aber im Stoffwechsel. Konkret geht es um Harnsäure. Wenn davon zu viel im Blut ist, bildet sie Kristalle. Diese Kristalle reizen das Immunsystem und lösen Entzündungen aus. Das Gelenk ist nur der Ort, an dem man das Ergebnis spürt, weil sie sich genau dort ablagern. Immer da wo die Temperatur niedrig ist.
Harnsäure entsteht unter anderem:
•beim Abbau bestimmter Eiweiße
•beim Abbau von Fruchtzucker
•bei dauerhaft hohen Insulinspiegeln
Gicht ist also kein „Zehenproblem“, sondern ein Hinweis darauf, dass das Gesamtsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Sauerkirschen enthalten besondere Pflanzenstoffe. Sie heißen Anthocyane und Polyphenole. Diese Stoffe sind für die dunkle Farbe der Kirschen verantwortlich und haben im Körper messbare Effekte.
Sie können:
•Entzündungen bremsen
•die Bildung von Harnsäure etwas reduzieren
•dem Körper helfen, Harnsäure besser auszuscheiden
Das ist gut. Aber es ist wichtig zu verstehen, was genau wirkt. Es ist nicht der Zucker, nicht der Saft und nicht die Süße. Es sind diese sekundären Pflanzenstoffe.
Jetzt kommt der Teil, bei dem man einmal logisch denken muss.
Saft bedeutet: Die Frucht wird gepresst. Die festen Bestandteile bleiben größtenteils zurück. Übrig bleibt vor allem Wasser mit Zucker und gelösten Pflanzenstoffen.
Das hat drei Folgen:
Erstens: Der Zucker ist sofort verfügbar.
Zweitens: Der Blutzucker steigt schneller.
Drittens: Es fehlt etwas Entscheidendes – Ballaststoffe.
Und Ballaststoffe sind keine Nebensache. Sie sind ein Steuerungselement.
Wenn du eine ganze Sauerkirsche isst, passiert Folgendes:
Du kaust. Dein Magen füllt sich. Die Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme des Zuckers. Der Blutzucker steigt langsamer. Das Insulin reagiert ruhiger. Der Stoffwechsel bleibt stabiler.
Wenn du Saft trinkst, passiert das Gegenteil:
Der Zucker kommt schnell. Sehr schnell. Der Körper muss sofort reagieren. Das System wird gestresst. Ballaststoffe sind wie eine Bremse im Stoffwechsel. Ohne sie rast alles schneller ab, als es sinnvoll ist.
Und genau das ist bei Gicht ein Problem, weil:
•hohe Insulinspiegel die Harnsäureausscheidung hemmen
•Fruchtzucker ohne Ballaststoffe leichter zur Harnsäurebildung beiträgt
Warum Sauerkirschsaft trotzdem manchmal wirkt
Jetzt kommt der scheinbare Widerspruch. Sauerkirschsaft enthält zwar Zucker, aber auch viele entzündungshemmende Pflanzenstoffe. In moderaten Mengen können diese Stoffe den negativen Effekt des Zuckers teilweise ausgleichen. Deshalb zeigen Studien, dass Menschen mit Gicht etwas seltener Anfälle haben, wenn sie Sauerkirschprodukte nutzen. Aber das funktioniert nur, wenn man versteht:
Das ist kein Freifahrtschein.
Das ist kein Getränk für jeden Tag in großen Mengen.
Und schon gar kein Ersatz für eine andere Ernährung.
Wenn man das Prinzip verstanden hat, ist die Konsequenz logisch, denn die ganze Frucht:
•liefert die gleichen Pflanzenstoffe
•enthält Ballaststoffe
•wirkt langsamer
•belastet den Stoffwechsel weniger
Sie passt viel besser zu dem, was ein Körper mit Gicht braucht: Stabilität statt Zucker-Spikes.
Noch wichtiger ist aber die Erkenntnis dahinter:
Es geht nicht um Sauerkirschen. Es geht um die Art, wie wir essen.
Gicht ist kein isoliertes Problem. Sie ist ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass der Körper mit dem aktuellen Essmuster nicht klarkommt. Mehr Saft, mehr Tricks oder einzelne „Wundermittel“ lösen das nicht.
Was hilft, ist:
•weniger stark verarbeitete Lebensmittel
•weniger flüssiger Zucker
•mehr ganze Lebensmittel
•mehr Ballaststoffe
•weniger Purine
•ein Stoffwechsel, der wieder Ruhe bekommt
Sauerkirschen können dabei ein kleines Puzzleteil sein. Aber das Bild wird nur dann vollständig, wenn man das Grundprinzip versteht. Nicht der Saft macht gesund, sondern das System, in das er eingebettet ist.Gicht verschwindet nicht, weil man etwas hinzufügt.
Sie verschwindet, wenn man beginnt, anders zu essen.
Quellen:
Choi HK et al., Arthritis & Rheumatology Cherry consumption and risk of recurrent gout attacks https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/art.40122
Zhang Y et al., Journal of Nutrition Cherry intake, serum urate and inflammation https://academic.oup.com/jn/article/142/6/1042/4630817
Kelley DS et al., Journal of Nutrition Anthocyanin-rich cherries and inflammation https://academic.oup.com/jn/article/136/4/981/4664632
Johnson RJ et al., American Journal of Clinical Nutrition Fructose, uric acid and metabolic disease https://academic.oup.com/ajcn/article/90/3/683/4597098
Muraki I et al., BMJ Fruit vs. fruit juice and metabolic risk https://www.bmj.com/content/349/bmj.g4490
Harvard T. H. Chan School of Public Health Fruit juice, sugar and fiber context https://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/healthy-drinks/
USDA FoodData Central Nährwerte Sauerkirschen, frisch vs. Saft https://fdc.nal.usda.gov
Wenn du jetzt denkst: Vielleicht spielt Ernährung bei mir auch eine Rolle…ich dachte immer Saft ist gesund.......
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